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Führungskräfte Foren und Praxisseminaren des Behörden Spiegel


Compliance in Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen
Gegenstand des Seminars

Staatliche Hochschulen wandeln sich seit Jahren von einer klassischen Verwaltungseinheit mit behördlichem Charakter zu einem modernen Wissenschaftsbetrieb mit unternehmerischen Akzenten. Dieser Wandel ist einerseits eine Folge zunehmender Digitalisierung, Technisierung und Globalisierung sowie gesellschaftlicher Veränderungen und hat andererseits zum Ziel, auf dem Markt von Lehre und Forschung gegenüber den privaten Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen bestehen zu können. Die Hochschulreformen und Entwicklungen der Hochschulgesetze sowie die stetig steigende Bedeutung von Sponsoring und sonstigen Drittmitteln verlangen mehr unternehmensoriginäre Instrumente der Organisationssteuerung, wie Risikomanagement und vor allem rechtliches Risikomanagement und Korruptionsprävention. Beispielsweise sind für die Trennungsrechnung, Marktpreise und die beihilfekonforme Verwertung von Wissen Prozesse aufzubauen und zu dokumentieren. Die Annahme von Geschenken und Bewirtung ist zum Schutz der Beschäftigten zu regeln. Compliance als Einhaltung von Recht und Gesetz ist damit auch für Hochschulen unabdingbar und erfordert ein nachhaltiges, effektives und effizientes Compliance Management in Organisation und Prozessen.

Compliance ist jedoch keineswegs ein Thema nur für Hochschulen, sondern auch für die außeruniversitäre Forschung. Sie ist ebenfalls mit hohen Erwartungen an ihre wissenschaftliche Kompetenz und ethische Qualität konfrontiert und zugleich auf eine auskömmliche Finanzausstattung – auch seitens privater Mittelgeber – angewiesen. Institutionen der außeruniversitären Forschung weisen häufig die Rechtsform des eingetragenen, gemeinnützigen Vereins auf und bedürfen ebenso eines funktionierenden Compliance Managementsystems. Die Pflicht zur gesetzeskonformen Organisation der grundrechtlich gesicherten Wissenschafts- und Forschungsfreiheit einerseits und die Aufrechterhaltung der Steuerbegünstigung und umfangreicher Zuweisungen von Mitteln öffentlicher Haushalte andererseits unterstreichen das Erfordernis der Gesetzes- und Rechtskonformität.

Zielsetzung

Die Rechts- und Regelkonformität bedarf weitgehender Überlegungen sowie einer umfassenden Kommunikation, um mögliche Maßnahmen in der jeweiligen Organisation der Hochschule oder außeruniversitären Forschungseinrichtung wirksam zu implementieren und eine weitgehenden Schadensvermeidung sicherzustellen. Das zweitägige Seminar bietet einen Gesamtüberblick über die rechtlichen wie tatsächlichen Voraussetzungen des Implementierungsprozesses eines rechtlichen Risikomanagements, die zu berücksichtigenden personellen, finanziellen wie sachlichen Rahmenbedingungen und die Zielvorgaben, die zunehmend von Revisoren und den Landesrechnungshöfen formuliert werden. Neben Vorträgen werden innerhalb der acht Module praktische Übungen für die Teilnehmer/innen angeboten.

Zielgruppe

Zielgruppe des Seminars sind alle Beauftragten für Compliance oder Antikorruptionsprävention, Personalverantwortliche, Instituts- und Forschungsgruppenleiter, Justitiare, Mitarbeiter in Stabsstellen, Präsidialbüro und Drittmittel- und Technologietransferstellen in Hochschulen, außeruniversitären Forschungseinrichtungen, Projektträgern und Unternehmen, die mit den genannten Einrichtungen kooperieren.

Seminarablauf

Themenüberblick

1. Tag, 11:00-18:00 Uhr:

Modul I: Compliance Management in hybriden Strukturen
Staatliche Hochschulen sind in der Regel Körperschaft und staatliche Einrichtung zugleich. Wie Hochschul-Governance für hoheitliches und wirtschaftliches Handeln in wirksame und angemessene Compliance Strukturen umgesetzt werden kann, ist Inhalt von Modul I. Auch für nichtstaatliche Forschungseinrichtungen werden die Besonderheiten einer wissenschaftsadäquaten Organisation im Compliance Management erarbeitet.
Referentin: Prof. Dr. Beatrix Weber, Hochschule Hof

Modul II: Compliance Funktionen und Selbstverwaltung
Eine wirksame Compliance Organisation berücksichtigt die Organe der Selbstverwaltung, die Wissenschaftler und die Beschäftigten in der Verwaltung bzw. der Einrichtung mit ihren spezifischen Aufgaben. Rechte und Pflichten in Bezug auf das Compliance Management zu klären, ist Ziel von Modul II. Besonderes Augenmerk gilt der Funktion des Compliance bzw. Antikorruptionsbeauftragten.
Referentin: Prof. Dr. Beatrix Weber, Hochschule Hof

Modul III: Compliance in der Forschung
Die vielfältigen rechtlichen Anforderungen des Beihilferechts, der Programmbedingungen oder vertraglichen Vorgaben von Drittmittelgebern sind in angemessene Compliance Prozesse und Zuständigkeiten umzusetzen. Erfolgreiches Forschungsmanagement bedeutet, administrative Vorgaben mit der Forschungsfreiheit nicht nur in Einklang zu bringen, sondern auch in einer wissenschaftsadäquaten Compliance Organisation nachhaltig zu sichern.
Referentin: Prof. Dr. Beatrix Weber, Hochschule Hof

Modul IV: Personal-Compliance
„Compliance für alle“ betrifft alle Hochschulangehörigen unabhängig von ihrer Funktion. Wie Compliance Vorgaben in konkrete Maßnahmen, z.B. in eine Unterschrifts- oder Geschenke- und Bewirtungsrichtlinie oder in einen Code of Conduct umgesetzt werden können, wird in diesem Praxismodul durch die Teilnehmer erprobt.
Referentin: Prof. Dr. Beatrix Weber, Hochschule Hof

2. Tag 09:30-16:30 Uhr:

Modul V: Management rechtlicher Risiken – Teil 1
Ausgangspunkt eines Compliance Managements sind die rechtlichen Risiken, denen eine Hochschule oder vergleichbare Einrichtung ausgesetzt ist.Der Prozess der Compliance-Risikoanalyse wird im fünften Modul in seinem theoretischen Ablauf dargestellt. Dabei werden vor allem die folgenden Fragen beantwortet:

  • Wie wird die Compliance-Risikoanalyse kommunikativ, strategisch und methodisch vorbereitet?
  • Welche Risikokategorien und Risikofelder gibt es in Hochschulen und vergleichbaren Einrichtungen?
  • Wie kann man Compliance-Risiken identifizieren und bewerten?
  • Wie kann man die erkannten Risiken nachhaltig steuern und kontrollieren?

Referentin: Dr. Stefanie Lejeune, GÖHMANN Rechtsanwälte

Modul VI: Management rechtlicher Risiken – Teil 2
Im sechsten Modul werden die im fünften Modul vermittelten Kenntnisse anhand praktischer Beispiele angewendet und eine Checkliste für Compliance-Risikoanalysen erarbeitet. Zudem können die Teilnehmer/innen, die Methoden der Risikoidentifizierung und Risikobewertung anhand eigener Beispiele aus ihrem Arbeitsumfeld erproben.
Referentin: Dr. Stefanie Lejeune, GÖHMANN Rechtsanwälte

Modul VII: Maßnahmen der Korruptionsprävention
Ein wesentlicher Bestandteil eines Compliance Managementsystems für Hochschulen und vergleichbare Einrichtungen ist die Korruptionsprävention und Korruptionsbekämpfung. Mit ihr verknüpfen sich – trotz recht eindeutiger dienst- bzw. arbeitsrechtlicher und strafrechtlicher Regelungen – zahlreiche praktische Fragen, die im Rahmen des siebten Moduls beantwortet werden, wie etwa:

  • Woran erkennt man besonders korruptionsgefährdete Arbeitsgebiete einerseits und wenig korruptionsresistente Arbeitnehmer andererseits?
  • Wie geht man mit angebotenen Vorteilen konkret um, was ist rechtlich bedenklich, was unbedenklich?
  • Welche allgemeinen personellen Präventionsmaßnahmen gibt es und wie werden sie umgesetzt?
  • Welche allgemeinen organisatorischen Präventionsmaßnahmen gibt es intern und gegenüber Externen?
  • Welche regulative Präventionsmaßnahmen kommen zur Anwendung und wie werden sie formuliert?

Referentin: Dr. Stefanie Lejeune, GÖHMANN Rechtsanwälte

Modul VIII: Sponsoring und Drittmittel – Chancen und Risiken
Die finanziellen Zuwendungen Dritter, vor allem privater Dritter sind gerade im Zusammenhang mit Hochschulen und vergleichbaren Einrichtungen ein Dauerthema. Einerseits sind sie zur Aufstockung der nichts selten wenig üppigen öffentlichen Gelder eine gern gesehene zusätzliche Finanzquelle, andererseits wird eine zunehmende Einflussnahme der Geldgeber auf Inhalt und Nutzung der Forschung befürchtet. Vor diesem Hintergrund beantwortet das achte Modul die folgenden Fragen:

  • Welche Arten von Sponsoring gibt es und was unterscheidet sie von Drittmitteln, Spenden oder mäzenatischen Schenkungen?
  • Welche rechtlichen und tatsächlichen Risiken haben die Zuwendungen (privater) Dritter?
  • Wie kann man die Risiken des Sponsorings und von Drittmitteln vermeiden und die Chancen nutzen?

Referentin: Dr. Stefanie Lejeune, GÖHMANN Rechtsanwälte

Referenten
Dr.  Stefanie  Lejeune, ist Rechtsanwältin in der überörtlichen Sozietät GÖHMANN Rechtsanwälte und Notare. Sie ist spezialisiert auf die Beratung von Behörden und Unternehmen in den Bereichen Corporate Governance, Compliance und Korruptionsprävention. Dazu gehört die Implementierung von Compliance-Management-Systemen (CMS), umfassende Schulungs-,Vortrags- und Publikationstätigkeiten, die Beauftragung als externe Compliance-Beauftragten sowie die Berufung zur Ombudsperson für Korruptionsprävention. Seit 2006 ist Dr. Lejeune Lehrbeauftragte der HU Berlin und seit 2013 Mediatorin (DAA). Zuvor war sie von 1996 bis 2001 Richterin beim bzw. am Sozialgericht Trier, von 2001 bis 2006 Staatssekretärin im Ministerium der Justiz Rheinland-Pfalz und von 2006 bis 2009 Landtagsabgeordnete. Aus diesen Tätigkeiten in allen drei staatlichen Gewalten hat sie vielfältige Erfahrungen gesammelt und ein praktisches Verständnis administrativer Entscheidungsprozesse und Strukturen erworben.
Prof. Dr.  Beatrix  Weber, ist Professorin an der Hochschule Hof und Leiterin der Forschungsgruppe Recht in Nachhaltigkeit, Compliance und IT. In diesen Rechtsgebieten berät sie mittelständische Unternehmen und Verbände. Als Leiterin der Stabsstelle Compliance und der Transferstelle Recht und Lizenzen weiß sie um die Vielfalt und Komplexität der Implementierung und Weiterentwicklung eines rechtlichen Risikomanagements. Sie ist nebenberufliche Lehrkraft an der Steinbeis-Hochschule im Fach „Gewerblicher Rechtsschutz und Compliance“ für den MBA-Studiengang Governance, Risk, Compliance & Fraud Management. Zuvor war Prof. Dr. Weber als Syndikusanwältin in der Automobilindustrie national und international, vor allem in Asien und den USA, tätig.
Termin und Ort
Ort:
Tagungshotel (wird noch bekannt gegeben)
Berlin


Zeitraum:
03.04.2019 11:00 Uhr - 04.04.2019 16:30 Uhr

Preis
990,- Euro zzgl. MwSt.
Zur Anmeldung


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